Vaylan Chorus - Die Eisraben Chroniken

  • Die Eisraben Chroniken

    :)nw von Vaylan Chorus :)nw



    13. April 1641*


    Der Sturm peitschte immer wieder in dieser düsteren Nacht an meinem Fenster. Immer wenn ich nach draußen sah und ein greller Blitz die umliegende Landschaft für einen kurzen Augenblick in eine unheimliche Lichtstimmung tauchte, hatte ich das Gefühl die Dämonen meiner Kindheit würden mich nun als Erwachsener Mann wieder heim suchen und an meiner Türschwelle kratzen.


    Mein Vater hatte sich über meine Alpträume stets amüsiert und manchmal verteufelte ich ihn dafür, besonders dann wenn er mich vor einem Gast damit aufzog und ich darauf hin peinlich berührt den Raum verließ. Was meinen Vater damals amüsierte - hin und wieder sogar als Unfug betrachtete - war bereits damals für mich beängstigend und mehr als nur Albträume. Jetzt, in dieser von Gott verlassenen Nacht und diesem seltsamen Schreiben auf meinem Schreibtisch, erwecken diese Träume von damals auf mich den Eindruck das hier eine übernatürliche Kraft ihre Wirkung auf mich entfaltet. Ich habe ein ungutes Gefühl, bin unruhig, kann nicht schlafen und nippe bereits seit zwei Stunden an meinem ersten Glas Scotch.


    Ich ertappe mich dabei wie ich dieses Siegel immer und immer wieder mit meinem zittrigen Zeigefinger berühre: Ein Rabe mit einer finsteren Schlange in seinen Krallen. Ich kannte dieses Siegel bereits, schon seit vielen Jahren...aus meinen Träumen. Unterzeichnet ist der Brief mit "königliche Hoheit Herzogin Alexandra Eisrabe". Seltsamer Name, noch nie gehört, der Familienname legt zumindest eine deutsche Herkunft nahe. Um so erstaunlicher der Inhalt des Briefes. Er ist nicht an mich, sondern an meinem Vater persönlich gerichtet, vertraulich, so als wenn unsere Familien schon in der Vergangenheit mit einander zu tun hatten, in welcher Hinsicht ist mir aber unklar.


    Fakt ist jedoch, dass der Kontakt etwas eingefroren zu sein scheint, denn offensichtlich wusste Lady Eisrabe nichts über den gesundheitlichen Zustand meines Vaters und das dieser vor zwei Jahren verstorben war. Inhaltlich ging es jedenfalls um eine geplante Expedition im Frühsommer diesen Jahres. Sehr detailreich, wenn auch etwas emotional Ausschweifend. Lady Eisrabe erwähnt einen mir vollkommen unbekannten Inselkontinent mit dem Namen "Aeternum". Mysteriöse Artefakte, eine alte Zivilisation und geheimnisvolles Wissen, aber auch Macht und Reichtum werden versprochen.

    Was speziell meinen Vater betrifft, so scheint Lady Eisrabe großes Interesse an der Jagdfähigkeit meines Vaters zu haben.

    Zwar ist mein Vater nicht mehr am Leben, aber glücklicherweise hat Er mich gut trainiert und im Umgang mit Fernkampfwaffen habe ich ein noch größeres Talent an den Tag gelegt als mein alter Herr. Nur meine Jagdinstinkte sind nicht so geschärft wie bei meinem Vater, was einfach an der fehlenden Praxis der letzten Jahre liegen könnte.


    Für einen einfältigen Glücksritter hört sich der Inhalt dieses Briefes sehr verlockend und berauschend an. Doch ich bin kein Glücksritter, auch kein Schatzsucher und erst recht kein Dummkopf. Wenn man versucht zwischen den Zeilen des Briefes zu lesen fällt einem schnell auf das der Inhalt sehr persönlich und direkt formuliert ist, jedoch die persönlichen Motive von Lady Eisrabe komplett im Dunkeln verbleiben. Zeit für Nachforschungen. Jedoch nicht jetzt, nicht in dieser dämonischen Sturmnacht. Morgen ist auch noch ein Tag. Hoffentlich zur Abwechslung ein schöner Tag.



    16. Mai 1641*


    Nach meinen gründlichen Nachforschungen hatte ich mich dazu entschlossen Lady Eisrabe eine Antwort zukommen zu lassen und versuchte den Brief so neutral wie möglich zu verfassen. Darin hatte ich um ein persönliches Gespräch gebeten und knapp zwei Wochen später erreichte mich eine Einladung nach Amsterdam. Auch in ihrem zweiten Brief war Lady Eisrabe sehr direkt, bekundete mir aber nachträglich Ihr herzliches Beileid zu meinem Verlust und Sie freute sich über ein baldiges Kennenlernen.


    Nun sitze ich hier in meiner Kajüte unter Deck der "flying Treasury" und mache mir noch mehr Gedanken als sonst über meine Alpträume, denn Sie sind zurück. Klarer und intensiver als in meiner Kindheit. Sie enden alle mit vielen dämonischen Fratzen und Klauen, wache schließlich Schweiß gebadet und mit zittrigen Händen auf. Mein Vorrat an guten Scotch ist fast verbraucht und dabei bin ich noch nicht einmal in Amsterdam, geschweige denn habe ich auch nur eine Silhouette von Aeternum am Horizont gesehen.


    Irgendwie wird das alles immer verrückter, hoffentlich verliere ich nicht meinen Verstand. Versuche nun ein wenig zur Ruhe zu kommen. In Amsterdam werde ich wohl so schnell keine mehr finden und auf der großen Reise über den Ozean erst recht nicht. Hoffe zumindest endlich mehr Antworten auf meine Fragen, bin sehr gespannt was für eine Person die Herzogin ist.


    *= So lange keine genauen Zeitangaben durch die Entwickler bekannt gegeben werden, verfasse ich die Texte mit eigenen Angaben und korrigiere diese bei Bedarf nachträglich.






  • 17. Mai 1641


    Die Ankunft in Amsterdam verlief ruhig und ereignislos. Ich bin in positiver Hinsicht von dieser Stadt beeindruckt, obwohl ich bereits viel von anderen Reisenden über Amsterdam erfahren durfte, hätte ich niemals gedacht dass die Dimensionen sich so gewaltig und prächtig präsentieren würden. Allein der Hafen wirkte auf mich wie ein edler Schloßhof, auf dem es eine unglaubliche Fülle an verschiedenen Waren gab welche für den Transport vorbereitet wurden: erlesene Gewürze aus dem fernen Orient, wunderschöne exotische Blumen, prachtvolle Skulpturen, außergewöhnliche Tiere aus den entlegensten Winkeln der Welt und so viel mehr...


    Ich hatte nicht viel für diese Reise mit genommen, außer einiger Wechselkleider, meinen Schreibutensilien und dem Tagebuch habe ich lediglich der Bitte von Lady Eisrabe entsprochen und die Pistole, sowie das Gewehr meines Vaters mit genommen. Schon die ganze Zeit frage ich mich wofür ich meine Waffen mit nehmen sollte, ein möglicher Grund könnte ein Test bezüglich meiner Fähigkeiten sein, aber am Ende bleibt dies bis zum morgigen Treffen reine Spekulation.


    Werde mich gleich nach dem Frühstück und dem reinigen meiner Waffen auf dem Markt umsehen, brauche dringend ein neues Rasiermesser und vor die Herzogin trete ich bestimmt nicht mit einem ungepflegten Bart.

  • 18. Mai 1641


    Ich bin erschöpft. So erschöpft, wie schon seit einiger Zeit nicht mehr und dabei dachte ich das dies erst der Fall sein würde, wenn ich mich auf die lange Reise nach Aeternum begebe. Doch der gestrige Tag verlief alles andere als ruhig und entspannt ab.


    Als ich meine Unterkunft nach dem Frühstück verließ um mich in der Stadt und insbesondere auf dem Markt umsehen wollte, ereignete sich ein Vorfall mit dessen Ausgang ich niemals gerechnet hätte.

    Ich führte gerade mit einem jüdischen Händler ein interessantes Gespräch, als eine junge Dame nur wenige Meter von mir entfernt aufschrie und den Verlust Ihrer Geldbörse beklagte, als auch gleichzeitig mit dem Finger auf den flüchtenden Dieb gerichtet hielt.


    Ich zögerte keinen weiteren Augenblick und nahm die Verfolgung auf. Dabei entpuppte sich der große und mehr als belebte Marktplatz, als gefährlicher Hindernisparcour. Immer wieder musste ich blitzschnell einer Person oder einem anderen Hindernis ausweichen und der Dieb verspürte keinerlei Skrupel, einige Passanten beziehungsweise Gegenstände in den Weg zu werfen um mich los zu werden.


    Der Kriminelle war auf jeden Fall nicht dumm, im Gegenteil er war äußerst fähig und flink, es erschien mir sogar das er mit dieser Umgebung vertraut gewesen ist. Doch am Ende kam schließlich ein kurzer Moment göttlicher Fügung: In einer schmalen Ladengasse waren einige Männer gerade damit beschäftigt mit Hilfe eines Seil-Zuges Warenkisten in das Obergeschoss eines Lagerhauses zu heben. Zum Glück habe ich meine Pistole immer dabei, so zielte ich auf den Seil-Zug und betätigte ohne zu zögern den Abzug. Der erste Schuss verfehlte leider sein Ziel, doch der zweite durchtrennte das Seil zumindest soweit, das die Transportkiste samt Seil hinunter stürzte und eine Kettenreaktion in Gang brachte.


    Die Kiste krachte auf den Boden und zerbrach in tausend Einzelteile - vom Inhalt Mal ganz zu schweigen - worauf das Pferd welches am Transportwagen gespannt war aufscheuchte und sich galoppierend in Bewegung setzte. Der Dieb war davon vollkommen überrascht und stoppte Augenblicklich, um nach einer alternativen Fluchtmöglichkeit in der Umgebung zu suchen. Doch in diesem Fall gab es keine und selbst wenn, war es für Ihn bereits zu spät. Mein Dolch hatte bereits seine Kehle erreicht und mit meinem linken Arm hatte ich Ihn fest im Griff.


    Zu meiner Überraschung stellte sich heraus daß es sich bei dem Dieb um eine junge Frau handelte, wahrscheinlich Anfang zwanzig. Doch dann wurde es so richtig seltsam, denn noch Ehe ich meine Worte an die Diebin richten konnte, hörte ich ein lautes Händeklatschen direkt hinter mir. Als ich mich dann mit der Diebin herum drehte, stand eine attraktive Frau in funktioneller Männerkleidung und langer weißer Mähne vor mir. Sie lächelte mich an, nickte dann aber der Diebin zu, welche sich mühelos aus meinem Griff befreite und mir gleichzeitig meinen Dolch aus der Hand schlug.


    Es stellte sich heraus, das es sich bei der attraktiven Frau mit weißem Haar um die Herzogin höchstpersönlich handelte und die Diebin war in Wirklichkeit Ihre rechte Hand, welche sich namentlich mit "Elena" vorstellte.

    Weiterhin war der Diebstahl und die dazugehörige Verfolgungsjagd, nichts weiter als ein Test um meine Fähigkeiten zu Tage zu fördern. Natürlich war ich alles andere als begeistert, doch die Herzogin versicherte mir das alles bis ins letzte Detail gut durchgeplant worden wäre.


    Am Ende kehrten wir zu meiner Unterkunft zurück und Alexandra erklärte mir in aller Ruhe, warum Sie eine solche Vorgehensweise für angebracht hielt.

    Mit diesem Test wollte Sie vor allem meinen Charakter besser einschätzen können und sehen wie ich mit einer unvorhergesehenen Situation umgehe. Aus Ihrer Sicht hatte ich den Test bestanden, was Elena etwas anders zu sehen schien und ich das Gefühl nicht los werde das ich mich bei der jungen Dame zumindest ein wenig unbeliebt gemacht habe.


    Wir setzten unser Gespräch schließlich fort und Ehe ich es versah war die Sonne bereits unter gegangen.

    Ich muss mir selbst eingestehen das die Herzogin eine ganz andere Persönlichkeit besaß als ich ursprünglich durch unseren Schriftverkehr angenommen hatte. Sie war eher ruhig und gelassen, wirkte auf mich sehr diszipliniert und Ihr Körperbau und aussehen hatten viel mehr mit einer Kriegerin gemeinsam, als mit einer zurecht gemachten Adligen.


    Zu meiner Überraschung konnte Sie mir tatsächlich so einige interessante Geschichten über meinen Vater erzählen von denen ich noch nie etwas gehört hatte und noch verblüffter war ich als Sie mir mitteilte das die Abreise zu diesem geheimnisvollen Inselkontinent Aeternum, schon in zwei Tagen stattfinden sollte. Sie gab mir damit ein klares Ultimatum. Ich muss nachdenken, sehr gründlich sogar.





  • Van

    Hat das Label Charaktervorstellung hinzugefügt
  • 21. Mai 1641


    Ich hatte mich entschieden. Mich dazu entschlossen alles zurück zu lassen. Meine Heimat, mein Zuhause, die Familie und...mein Erbe. Während Ich diese Zeilen in mein Tagebuch schreibe, werde Ich schon ein wenig nachdenklich, wenn nicht sogar ein wenig sentimental. Doch nun ist es zu spät, das Schiff "Black Raven" hat vor mehr als zehn Stunden abgelegt und den Hafen von Amsterdam weit hinter sich gelassen.


    Ich muss schon zugeben, Alexandra ist sehr gut auf diese lange und beschwerliche Reise vorbereitet. Bei der "Black Raven" handelt es sich um eine englische Galeone, welche bis an die Zähne bewaffnet ist. Sie wurde darüber hinaus etwas größer gebaut um entsprechende Ladungen transportieren zu können. Insgesamt befanden sich mit der Herzogin und mir noch sechs und fünfzig weitere Männer und Frauen an Bord. Wobei die Herzogin penibel darauf geachtet hatte nur Speziallisten mit auf die Expedition zu nehmen: Ärzte, Navigatoren, Baumeister, Waffen- und Rüstungsschmiede , sowie Jäger und Kartografen.


    Die Ladung bestand zu einem großen Teil aus Proviant, medizinischen Gütern, Waffen und alles andere an Material welches man für die Errichtung eines befestigten Lagers in einer neuen Welt benötigt. Bisher komme Ich mit allen gut klar und wenn meine Alpträume mich nicht so intensiv auf dieser Reise peinigen sollten, könnte diese Expedition wirklich interessant werden. An sonsten hat Alexandra mir angeboten mich an Ihrem Alkohol-Vorrat zu bedienen, Mal sehen ob unsere Lady Eisrabe auch guten Scotch zu schätzen weiss.

  • 5. Juni 1641


    Warum nur habe Ich meinem Herzen nach gegeben? Warum habe Ich nicht auf meinen sonst scharfen Verstand gehört? Ist es der Alkohol oder doch die Alpträume, welche mich seit April immer stärker quälen und mich um meinen Schlaf bringen? Bin Ich eigentlich schon Tod und der Sensenmann spielt mir einfach nur einen Streich? Alles nahm mit dem teuflischen Vollmond in dieser Nacht seinen Anfang...


    Als die Sonne untergegangen war, sah Ich hinauf zum Himmel und erblickte den Vollmond, welcher immer wieder zwischen der aufgerissenen Wolkendecke zu sehen war. Ich stand zusammen mit der Herzogin und Elena gemeinsam an Deck, während Elena ganz ruhig blieb, wirkte Alexandra die ganze Zeit schon irgendwie aufgeregt und nervös auf mich. Die Nacht war gespenstisch Still, selbst das Rauschen des Meeres war nicht zu hören.


    Elena hatte für Ihre Herrin einen relativ kleinen Tisch aus Eichenholz bereit gestellt. Darauf hatte Alexandra eine kleine Karte und einen sehr seltsamen Kompass platziert. Er bestand aus einer runden Holzscheibe in der mir vollkommen unbekannte Symbole eingraviert worden waren, einem goldenen Rahmen inklusive einer drehbaren Pfeilmarkierung und in der Mitte war ein kleiner Kristallschädel befestigt. Als Ich nach mehreren Minuten die unheimlichen Stille mit meiner Frage brechen wollte, erhob Alexandra mir gegenüber Ihre linke Hand und machte mir damit verständlich still zu sein.


    Sie zeigte auf Ihren merkwürdigen Kompass und nach dem die Blicke von Elena und mir sich kurz streiften, blickten wir drei für eine gefühlte Ewigkeit auf dieses seltsame Instrument. Dann bewegte sich der goldene Pfeil auf ein Symbol, welches eine leichte Ähnlichkeit mit einem Sichelmond hatte, nur das durch ihm hindurch ein Pfeil gezogen worden war und fast die goldene Pfeilspitze des Kompasses berührte. Anschließend ging nun vom Kristallschädel ein blaues Licht aus und wir bemerkten um uns herum, das die Besatzung in heller Aufruhr war. Aus dem Meer stiegen blaue Funken empor und auch das Licht des Vollmondes war nicht länger ein kaltes Weiß, sondern Saphirblau.


    Als meine Augen wie gebannt die neue Gestalt des Mondes fixierten, hätte ich schwören können für einen kurzen Augenblick eine dämonische Fratze gesehen zu haben, doch so schnell wie es zu sehen war, verschwand das Phänomen auch wieder. Erschrocken fuhr Ich mit meiner rechten Hand mehrfach durch mein Gesicht, dann sah Ich mich auf dem Deck um und erkannte in den Gesichtern der Mannschaft die selbe Angst vor dem Schrecken dieser Nacht. Die Herzogin jedoch machte eher einen faszinierten Eindruck auf mich, nur in den Augen von Elena sah kurz einen Anflug von Angst aufblitzen.


    Das einzige was Alexandra in dieser Nacht zu uns und der Mannschaft sagte war: "Wir sind auf dem richtigen Kurs, wir haben die Pforte passiert, es ist nicht mehr weit!" Für mich hörte sich das schrecklich an, als wenn wir das Tor zur Hölle geöffnet und durchfahren hätten...


    Danach verabschiedete Ich mich von der Herzogin und Elena, legte mich schlafen und hoffte nach einer halben Flasche Scotch das Ich einen halbwegs ruhigen Schlaf haben würde, doch nach drei Stunden voller dämonischen Schrecken in der Traumwelt, sitze ich nun zittrig und durchgeschwitzt an meinem Schreibtisch in meiner Kajüte. Ich kann Sie hören...die Stimmen der Toten. Sie werden immer lauter, hämmern und kratzen an meiner Tür.


    Sie werden nicht gehen...

    ...Sie werden nicht gehen...

    ...Sie werden nicht gehen...


    SIE WERDEN NICHT GEHEN!



    Eine klare Struktur ist ab dieser Stelle im Eintrag des Tagebuches nicht mehr zu erkennen, der Text wiederholt sich und die Schrift wird mit jeder weiteren Zeile unleserlich und endet schließlich in wahnsinnigem Gekritzel.

  • Das Todesmeer



    "Vaylan wach auf!"

    Die Schrecken der Nacht kommen um mich zu holen, ich kann es fühlen...


    "Vaylan wach auf!"

    Dumpf hämmert es in meinem Kopf, mein Ende Naht, der kalte Griff des Todes...


    "Vaylan wach endlich auf!"

    Ich habe alle enttäuscht, Vater vergib mir...Schwester!


    "VAYLAN WIR BRAUCHEN DICH HIER!"


    Ein lauter Knall und ich bin hellwach, Rücklinks liege ich auf meinem Schreibtisch in meiner Kajüte unter Deck. Meine Tinte ist verschüttet, glücklicherweise hat mein Tagebuch aber keine Flecken. Verwirrt blicke ich mit aufgerissenen Augen umher, höre wilde Schreie und Kampfgeräusche über mir. Dann fliegt plötzlich eine kleine Frauenhand mir quer durch das Gesicht und mein Blick fixiert sich auf die Augen von Elena.


    "Was ist...was ist los? Aaargh ah...mein Kopf platzt gleich." Elena packt mich und hebt bedrohlich ihre Faust. "Hör endlich auf damit! So fest hab ich dich nicht geschlagen. Hier deine Waffe, Folge mir - wir werden angegriffen!"

    Sie drückt mir meine geladene Pistole auf die Brust, ehe Sie schnellen Schrittes meine Kajüte verlässt. Noch immer nicht ganz bei Sinnen, rappel ich mich so schnell ich kann wieder auf und folge Elena.


    Als Elena mir sagte das wir angegriffen werden, hatte ich eigentlich mit Freibeutern gerechnet. Doch als ich das Oberdeck erreiche, stelle ich mit Schrecken fest, das wir gegen Untote kämpfen! Noch bevor ich mich richtig im Kampfgetümmel orientieren kann, stürmen auch schon zwei Skelette mit Schwert und Axt bewaffnet auf mich zu.

    Dem Schwertkämpfer kann ich glücklicherweise mit einem einzigen Schuss zu Fall bringen, doch für den Skelettkrieger mit der Axt fehlt mir die Zeit. Schnell schaue ich mich nach einer alternative um, finde jedoch nur ein zur Hälfte gefülltes Fass mit Regenwasser. Ich trete es mit einem kraftvollen Fußtritt um und lasse es schwungvoll in die Richtung des Untoten rollen, worauf hin dieser scheppernd zu Boden fällt und seine Axt direkt zu meinen Füßen liegt.


    Ohne zu zögern greife ich nach meiner neuen Waffe und zerschlage den Schädel meines Gegners. Zertrümmere anschließend noch zwei weitere Skelette, nehme mir dann noch kurz die Zeit um mich nach Elena und Alexandra um zu sehen. Entdecke die beiden schließlich in der Nähe des Steuer-Rades, worauf ich mich auf dem schnellsten Wege zu ihnen frei kämpfe.

    Ich nehme all meinen Mut zusammen und Bahne mir mit einigen riskanten Axtschlägen durch die vor mir stehenden Skelette einen Weg, bis ich schließlich direkt neben Alexandra und Elena stehe. Beide wirken ein wenig erschöpft, haben aber auf dem ersten Blick nur ein paar Kratzer.

    "Da hat sich ja jemand ganz schön viel Zeit gelassen...hab gehört du hattest einen angenehmen Schönheitsschlaf?" Alexandra grinst leicht amüsiert an, verschafft mir dann aber ein wenig Platz, damit wir Rücken an Rücken mit einander gegen die Untoten kämpfen können.


    "Wenn ich euch erzählen würde was ich geträumt habe würdet ihr es mir eh nicht glauben, Mal abgesehen davon dass wir für sowas auch gerade keine Zeit haben..." Worauf hin ich in einem wachsamen Moment einem der Skelette seinen Schild aus der Hand schlagen kann. Schnell hebe ich das ramponierte Eisenschild auf und fühle mich gleich ein wenig sicherer. Elena wirft mir einen kurzen Blick zu und pfeift sichtlich beindruckt. "Na da hat wohl jemand mehr Glück als Verstand!"

    Auf wenn mir die passenden Worte schon auf der Zunge lagen, konzentriere ich mich doch lieber auf den aktuellen Kampf.


    Mittlerweile haben uns rund ein Dutzend Skelett-Krieger umzingelt. Zwar können wir diese ganz gut in Schach halten, doch aus den Augenwinkeln kann ich erkennen, das immer mehr Skelette aus dem Wasser steigen und langsam aber sicher die "Black Raven" überrennen. Der Himmel hat sich unter dessen verfinstert und der seltsame Vollmond strahlt nun ein diabolisches rotes Leuchten aus. Noch Ehe ich mir darüber Gedanken machen kann wie diese Nacht für uns alle aus gehen mag, durchbricht der laute Ruf unseres Ausgucks den Kampflärm:

    "BEREIT MACHEN FÜR AUFPRALL!"


    Wie aus dem Nichts schießen urplötzlich Meter hohe Felsformationen aus dem Meer empor und die "Black Raven" prallt mit einem wuchtigen Knall auf massiven Gestein auf. Die Geräusche von auf einander treffenden Klingen verstummen sofort und werden durch qualvolle Schreie ersetzt. Durch den Aufprall und dem unvorhersehbaren bersten des Schiffes, falle ich mehrere Meter in die Tiefe, bis ich schließlich auf den Wellen des Meeres aufschlage.


    Unglaublicherweise ist mein Verstand so klar wie schon seit langem nicht mehr und meine Augen erkennen trotz des Salzwassers jeden Umriss sehr deutlich. Dann erkenne ich mit Schrecken, was meine Alpträume zu bedeuten hätten:

    Ich habe meinen eigenen Tod gesehen...in all diesen Nächten. Vor mir treiben die Untoten durch das Wasser, rot glühende Augen ziehen mich magisch an und erfüllen mich doch mit Todesangst. Ihre Hände greifen unnachgiebig nach mir. Sie kommen immer Näher und werden nicht gehen. Sie werden nicht gehen...


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    In dieser Nacht ist Vaylan Chorus verstorben. Verloren in den tiefen des Meeres...

  • 20. Mai 1641


    Geliebte Schwester,


    wenn du diesen Brief erhältst bin ich bereits seit einigen Tagen mit dem Schiff "Black Raven" auf dem großen Ozean unterwegs. Ich habe mich dazu entschieden Teil einer außergewöhnlichen Expedition zu werden. Gemeinsam mit der Herzogin - Lady Alexandra Eisrabe - und Ihrem Gefolge, werde ich nach Aeternum segeln und die Geheimnisse dieses Inselkontinents an das Tageslicht bringen.


    Bitte kümmere dich gut um unsere Familie und unser Erbe. Du warst schon immer besser dafür geeignet als ich. Folge mir nicht, denn meine Alpträume aus meiner Kindheit sind zurück und ich habe das Gefühl dass dies kein Zufall ist. Bitte Thalia, hör nur dieses eine Mal auf mich...


    Ich liebe dich.


    Vaylan

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    "Melina, schick diesen Brief bitte zu meinem Onkel. Sag Ihm das ich nach meinem Bruder suchen werde und Ihn wieder nach Hause schleife, egal was es auch kostet." Ich spüre Melinas tadelnden Blick im Nacken, doch dieses Mal kann ich darauf keine Rücksicht nehmen. Es geht hier schließlich um meinen Bruder und mir ist es egal welche seltsamen Träume ihn dazu getrieben haben. "Ich will nichts hören Melina. Bitte kümmere dich darum. Ich werde mich um meine Reise zu diesem mysteriösen Inselkontinent kümmern. Mal sehen in welche Schwierigkeiten mich mein Bruder dieses Mal hinein geritten hat."