Charaktervorstellung Beldin

  • Das goldene Zeitalter

    Zitat

    Wenn unsre Blütezeit einen Namen haben soll, so nenne man sie nach Holz und Stahl, Pech und Teer, Farbe und Tinte, Wagemut und Frömmigkeit, Geist und Phantasie.


    - John Huizinga - (Niederländischer Kulturhistoriker)

    Die Ankunft


    "Beldin, Steh auf!" schrie mich Reginald an. "Der Sturm ist wieder da! Raus aus der Matte oder ich werde dich Kielholen du Ratte! Wir brauchen jeden Mann an Deck!" Schnell sprang ich aus meiner Matte und rannte dem Maat hinterher. Reginald ist zwar ein Mistkerl, aber er würde nie jemanden Bestrafen der sich anstrengt... Das redete ich mir zumindest immer wieder ein, aber ich bin nicht bereit das Risiko einzugehen. Wenigstens raus aus der Logis, dachte ich mir.

    "Na auch endlich wach?" ranzte mich Teun an, sobald ich wieder Wolken sehen konnte "Rauf ins Krähennest mit dir! Ich brauche verlässliche Böhen Warnungen! LOS!"

    "Ja Captain!" erwiderte ich und begann mit dem Aufstieg. Der Sturm war zwar nicht mehr so stark wie die letzten Tage, aber die Wellen schlugen immer noch wie im Zorn gegen den Rumpf und die Gefahr abzustürzen wurde mir schmerzlich bewusst. "Beeil dich!" blaffte mich Reginald an, als ich nach einer weiteren Welle abrutschte und mich in die Takelage fallen lies um nicht über Bord zu gehen.

    Verdammt, was für ein scheiß start in den Tag! Meine Zähne knirschten als ich die letzten Meter in Angriff nahm. Bis meine Finger sich endlich um das Geländer am Krähennest schließen konnten hatte mich alle Kraft verlassen. Mit einem letzten Kampfschrei zog ich mich hoch und fiel in die Sicherheit des Ausgucks.

    Ich schloss die Augen um wieder zu Atem zu kommen. Wie in weiter Ferne konnte ich das Geschrei von Männern hören, aber das Meer überdeckte mit seinem Tosen alle anderen Geräusche.


    Streng dich an! meldete sich meine Innere Stimme nach mehreren Sekunden. Deine Kameraden verlassen sich auf dich!

    Mein Körper wehrte sich gegen den Befehl aufzustehen doch nach mehreren Versuchen konnte ich mich hochziehen und stützte mich am Mast ab. ... Irgendwann musste ich mir den Kopf geschlagen haben, denn das was ich sah war kein Sturm.

    Ich schloss meine Augen und hohlte ein paar mal tief Luft.

    Das Meer um uns herum war in Rage. Die Wellen hatten sich bis zu 8 Meter hochgeschaukelt und der Wind peitschte die Gischt weit über die Planken unserer Fleute. Meine Kameraden waren für mich nur noch verschwommene Muster. Die Klappe der rußverschmierten Box lies sich knirschend öffnen und ich machte mich eilends daran die Laterne zu entzünden damit die anderen Schiffe uns sehen konnten. Eine gefühlte Ewigkeit später hatte ich alles wieder verstaut und begann mit dem Galilei-Fernrohr nach der restlichen Flotte zu suchen. Dem Captain konnte ich sowieso keine Handzeichen geben und ich brauchte so viele Informationen wie möglich bevor ich den Abstieg wagen würde.

    Wo sind sie? Wo waren die anderen 4 Schiffe abgeblieben mit denen wir aus Fort Hollandia ausgelaufen waren? Der Sturm tobte in Richtung Bug und Heck gnadenlos soweit ich sehen konnte, wobei Gischt und Pechschwarze Wolken meine Hoffnung schwinden ließen einen Weg aus dem Sturm zu finden.

    Meine zitternden Finger schlossen sich um das Spinnenbein an meinem Gürtel - Anansi - Der Gedanke war wie ein Stachel in meinem Gehirn. Neue Energie strömte durch meine Adern und ich schickte ein Stoßgebet in Richtung Mmoboro's, dem Schamanen der mich die Spiritualität in Ghana gelehrt hatte.

    Schlagartig war alles grell Weiß, und ich konnte Umrisse von Bergen Steuerbords erkennen. Auch zwei weitere Schiffe waren zu sehen. Moment, wo kamen diese Berge her, wir sollten Curacao erst in zwei Wochen erreichen...

    Jäh riss mich ein ohrenbetäubendes Donnern aus meinen Gedanken, der Blitz der uns geleuchtet hatte zerfetzte den vorderen Mast. Die Druckwelle schlug mich gegen die Reling und nur mit Glück war ich noch im Krähennest. Jemand schrie. Holzsplitter flogen wie Schrapnelle durch die Luft und ein Schmerz explodierte in meinem linken Oberschenkel.

    Wie in Zeitlupe sah ich die Reste des vorderen Masts zur Seite kippen, die Takelage begann unter der Spannung zu surren, als der Mast auf dem ich mich befand langsam anfing sich nach Steuerbord zu neigen.

    Starr vor Schock und Schmerz stand ich im Ausguck und starrte in die tosenden Wellen die bald unser aller Grab werden würden.

    Ein grünes Leuchten durchzog das Wasser um uns herum, schwach und pulsierend. Meine Verletzung am Bein musste schlimmer sein als angenommen, wenn ich schon anfing zu halluzinieren. Trotzdem genoss ich die wilde Schönheit des Lichtes als mein Mast brach. Die Reste des vorderen Masts waren bereits unter Wasser und die letzten Taue zogen das Krähennest und mich nach unten.

    Ich raffte mich auf und nahm meinem Beutel in die Hand. Wenigstens wollte ich meinem Schicksal aufrecht stehend entgegentreten.

    Eine Welle baute sich vor mir auf, immer noch konnte ich das grüne Pulsieren deutlich erkennen. Meine Finger schlossen sich um den Spinnen Talisman als die Welle nur noch wenige Meter von mir entfernt war.

    Der Schlag der Welle presste alle Luft aus meinen Lungen. Die plötzliche stille unter Wasser war ungewöhnlich angenehm, und noch immer konnte ich dieses merkwürdige pulsieren sehen als ich die Augen wieder öffnete. Unsere Fleute war mehrere Meter von mir entfernt, zu weit um zu schwimmen.

    Ich schwebte zwischen den Trümmern unserer Masten und eine Spähre aus Blut aus meinem Oberschenkel umschloss bald meinen ganzen Körper.

    Das grüne Leuchten schien sich mit meinem Blut zu vermischen und bald befand ich mich in einer pulsierenden Kugel aus Licht. Keine Geräusche, keine Kälte und ... keine Atemnot? Was war das hier?

    Als ich meine Hände hob um meine Augen vor dem blendenden Licht zu schützen sah ich, dass sich Anansis Talisman noch immer zwischen meinen Fingern befand. Er schien zu glühen, warmes Licht leuchtete zwischen meinen Fingern und warf Schatten auf die Spähre um mich herum. Immer deutlicher konnte ich in dem Lichtspiel Formen und Bewegungen sehen...


    Sand knirschte zwischen meinen Zehen. Wo war ich? Wie lange war ich ohnmächtig gewesen? Wo war das Licht?

    Eine Welle riss mich aus meinen Gedanken und ich begann an Land zu klettern. Als ich mehrere Lagerfeuer sehen konnte brach mein Körper zitternd zusammen, nur ein lautes Stöhnen brachte ich noch hervor.

    "Was ist den mit dir passiert?" fragte mich eine Stimme über mir. "Komm mit ans Feuer!" forderte mich der Fremde auf, mein Körper begann aber zu krampfen als ich versuchte aufzustehen und ich verlor wieder das Bewusstsein.


    Der Duft von Essen und Wärme holte mich sanft aus meinen wilden Träumen. "Bist du also endlich aufgewacht?" fragte mich die selbe Stimme wie zuvor. "Nenn mich Graufang." erklärte der Fremde, als er mir lächelnd eine Schüssel mit einer Art Eintopf reichte.

    Als ich meine Hand ausstreckte, um die köstlich duftende Masse entgegen zunehmen, sah ich ein Brandmal in Form eines Spinnenbeines auf meiner Handfläche.

    "Iss auf, erzähle mir danach was dir passiert ist ." sagte Graufang freundlich und legte mehr Holz ins Feuer.

  • Synfair

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